Der Orden des heiligen Johannes vom Spital zu Jerusalem (lat. Ordo Hospitalis sancti Johannis Ierosolimitani) wurde 1099 gegründet.
Verschiedenen Quellen zufolge wurde das Hospital bereits zwischen 1048 und 1071 von Kaufleuten aus Amalfi gegründet. Damals noch nicht als Orden sondern als eine reine Hospitalbruderschaft. Sie nannte sich zu dieser Zeit Bruderschaft vom heiligen Johannes dem Täufer (lat. Fraternitas Sancti Johannis Baptistae).
Die dort arbeitenden Männer und Frauen wurden schnell als „Hospitaliter“ oder „Hospitaliers“ (Spitalbrüder) bekannt.

1095 rief Papst Urban II. bei der Synode von Clermont zum 1. Kreuzzug auf, um die heilige Stadt von den Muslimen zu befreien.
Am 15. Juli 1099 eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem. Viele Kreuzritter legten ihre Waffen nieder und traten der Bruderschaft bei. 1099 gilt daher als das Jahr, in dem sich die Gemeinschaft formierte und als eigenständige Bruderschaft etablierte.
In der berühmten Bulle „Pie postulatio voluntatis“ von Papst Paschalis II. wurde die Gemeinschaft 1113 offiziell als eigenständiger Orden anerkannt und die Bruderschaft wurde dem Papst direkt unterstellt. Ab diesem Zeitpunkt festigte sich der Name „Ordo Hospitalis sancti Johannis Ierosolimitani„. Die Ordensmitglieder waren weiterhin als „Hospitaliter“ oder auch „Johanniter“ bekannt.
Die Hauptaufgabe der Brüder lag im Dienst am Krankenbett und in der Pflege mittelloser Pilger. Doch Mitte des 12. Jahrhunderts änderte sich die Lage im Heiligen Land dramatisch und der Staat wurde politisch instabil. Das zwang den Hospitaliter-Orden zum Umdenken und der Orden übernahm mehr und mehr eine militärische Rolle. Neben dem bewaffneten Schutz von Pilgern beteiligten sich die Hospitaliter auch aktiv an Kampfhandlungen.
Das 13. Jahrhundert: Blütezeit, Festungsbau und der Verlust des Heiligen Landes

1187 erobert Sultan Saladin, der Herrscher der Ayyubiden, Jerusalem zurück. Vorausgegangen war der Sieg seines Heeres über die Kreuzfahrer in der Schlacht bei Hattin. Dadurch war der Weg nach Jerusalem frei. Nach einer kurzen Belagerung ergab sich die Stadt am 2. Oktober 1187.
Mit dem Fall Jerusalems endete die erste große Epoche der Hospitaliter. Ihr ursprüngliches Zentrum, das Hospital des heiligen Johannes, ging verloren.
Nachdem die Kreuzritter 1191 im Dritten Kreuzzug die strategisch wichtige Hafenstadt Akkon (heute in Nord-Israel) zurückerobert hatten, verlegten die Hospitaliter ihren Hauptsitz nach und nach dorthin.
Akkon wurde für das gesamte 13. Jahrhundert zum neuen Zentrum des Ordens (1191–1291). Hier errichteten die Brüder eine monumentale, festungsartige Ordenszentrale mit einem großen Hospital, Verwaltungsgebäuden und repräsentativen Anlagen für die Ordensführung.
Im 13. Jahrhundert gehörten die Hospitaliter neben den Tempelrittern zu den beiden mächtigsten, reichsten und einflussreichsten Ritterorden des Mittelalters. Beide Orden verfügten über eigene Truppen, umfangreiche Besitzungen und ein weit verzweigtes Netzwerk in Europa. Trotz wiederkehrender Spannungen und Rivalitäten um Einfluss und Besitz kämpften sie in vielen großen Schlachten gemeinsam gegen die Heere islamischer Herrscher.
Auch die Tempelritter errichteten in Akkon eine mächtige Niederlassung im Südwesten der Stadt mit einer stark befestigten Seefestung direkt am Meer.

Von Akkon aus verwaltete der Hospitaliter-Orden sein weitreichendes Netzwerk aus Besitzungen, Kommenden und Ländereien in Europa. Diese Niederlassungen sicherten den Nachschub an Geld, Ausrüstung, Pferden und neuen Ordensmitgliedern und ermöglichten den Unterhalt der Streitkräfte im Heiligen Land.
Die Hospitaliter errichteten und verstärkten zahlreiche mächtige Grenzfestungen. Diese Anlagen waren weit mehr als reine Burgen: Sie verfügten über große Garnisonen, Vorratslager, Werkstätten und eigene Hospitäler und dienten als militärische Stützpunkte zur Kontrolle wichtiger Wege und Gebiete.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts gerieten die letzten Kreuzfahrerstaaten zunehmend unter Druck. Die Mamluken, eine mächtige Militärdynastie aus Ägypten, eroberten eine christliche Festung nach der anderen. Im Frühjahr 1291 belagerte ein großes Mamluken-Heer die Stadt Akkon, die letzte bedeutende Bastion der Kreuzfahrer im Heiligen Land.
Hospitaliter und Tempelritter verteidigten die Stadt gemeinsam, doch gegen die zahlenmäßige Überlegenheit der Mamluken konnten sie sich nicht behaupten. Im Mai 1291 fiel Akkon. Damit endete die Herrschaft der Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land und die große Epoche der Hospitaliter als militärischer Ritterorden in Jerusalem und Akkon.
Zypern, Rhodos und Malta
Heimatlos flohen die Hospitaliter 1291 nach Zypern, wo ihnen der König von Zypern Asyl gewährte. In der Hafenstadt Limassol schlug der Orden für rund zwanzig Jahre sein Hauptquartier auf. Diese zwei Jahrzehnte auf Zypern waren geprägt von einem strategischem Neustart: Da das Heilige Land verloren war, erkannten die Hospitaliter, dass sie den Kampf auf das Meer verlagern mussten. Sie bauten in Rekordzeit eine mächtige eigene Kriegsflotte auf.
Auf Zypern waren die Hospitaliter nur geduldete Gäste. Um wieder völlig souverän agieren zu können, brauchten sie ein eigenes Staatsgebiet. Ihr Blick fiel auf die perfekt gelegene Insel Rhodos und
starteten die langjährige und blutige Eroberung von Rhodos. Mit der vollständigen Einnahme der Insel um 1310 erfand sich der Orden neu: Aus den einstigen Rittern der Wüste wurden die gefürchtetsten Seefahrer und „Seeritter“ des Mittelmeers

Rhodos war dann für ca. 200 Jahre die neue Heimat des Ritterordens, bis es 1523 an den türkischen Sultan Suleiman fiel. 1530 bekamen die Hospitaliter von Kaiser Karl V. die Insel Malta zugesprochen, welche ab sofort zu deren Hauptsitz wurde.
Als Malta 1565 von ca. 250.000 Ottomanen angegriffen wurde, konnte die Insel durch die Hospitaliter aber erfolgreich verteidigt werden. Diese Verteidigung gilt als der größte militärische Erfolg des Ordens.
1798 nimmt Napoleon dann Malta jedoch ohne nennenswerten Widerstand ein.
Viele der Hospitaliter gehen deshalb wieder zurück in ihre Heimatländer oder lassen sich in Russland unter Zar Paul nieder, welcher als de facto Großmeister galt – obwohl christlich orthodox.
Nach dem Attentat auf Zar Paul 1801 reorganisierte sich der Orden in Rom als „Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta“, welcher dort bis heute existiert. Zwischenzeitlich spaltete sich der Orden in einen evangelischen (Johanniter) und einen katholischen Zweig (Malteser).
